Liebes Publikum, liebe Freunde und Partner des Instituts für Caucasica-, Tatarica- und Turkestan-Studien,

in der zweiten Ausgabe unseres Musik-Podcasts stellt die Gruppe „SÊKOŞ“ aus Magdeburg drei Titel vor, die sie für sich selbst zwischen Schwarzem Meer, Kurdistan, der Elbe und dem Bosporus als prägend erachten. Es spielen hier der krimtatarische Musiker Enver Ibragimov (Saxophon/Klarinette/Flöte) und die beiden kurdischen Künstler aus Syrien, Mustafa Mustafa (Saz) und Alan Othman (Cajón). Die drei Musiker lernten sich in der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhlt im Rahmen des Cross-Media-Projektes „Der Pascha von Magdeburg“ kennen, improvisierten und spielten auf Vernissagen, spielten die Filmmusik für den Magdeburger Pascha-Film ein und beschlossen, als Band weiterzumachen. Im Bandnamen „SÊKOŞ“ schwingen zwei Bedeutungen aus zwei Kulturen mit: „Sê“ heißt „drei“ auf kurmancî, einer der vier kurdischen Sprachen. „Koş“ bedeutet „Felsen“ auf krimtatarisch. Im berühmten Yayla-Gebirge im Süden der Halbinsel Krim liegt das Drei-Felsen-Massiv mit dem Drei-Felsen-Tal, ein sagenumwobenes und traumhaft idyllisches Stück Natur unweit des Schwarzen Meeres. Auf der südlichen Seite des Schwarzen Meeres zwischen Kaukasus und Anatolien liegen die drei heiligen Berge der Kurden: Der Ararat, der Nemrut und der Sîpan sind ebenfalls Berge umrankt mit Mythen und Liedern der Türken, Armenier und Kurden.

I love you (Istanbul)“ ist ein Stück des türkisch-ägyptischen Musikers Omar Faruk Tekbilek von seinem 1999er Album “One Truth”, welches mystisch inspiriert war durch Sufi-Musik aus Anatolien. In der Bearbeitung von Mustafa Mustafa ist es eine Hommage an die Metropole am Bosporus, eine Zwischenstation auf dem Wege von Aleppo nach Magdeburg, ein Weg, den Mustafa ohne Musik nur hätte schlecht bewältigen können.

Enver erzählt zu einer seiner Lieblingsmelodien „Çifte telli“ dies sei eine ganze Reihe von Melodien, zu denen verschiedene Volkstänze existieren. Er habe diese schon als Kind gehört, auf Hochzeiten und Geburtstagen, erst in Usbekistan und nach dem Umzug der Familie 1989 wieder auf der Krim, wohin zehntausende Krimtataren zurücksiedelten, die 1944 vom Stalinregime nach Mittelasien deportiert worden waren. „Als ich 11 Jahre alt war, lernte ich diese Sorte Melodien in der Musikschule in Bahçisaray und mit einem Bläserensemble habe ich diese Melodie dann auf Konzerten gespielt. Diese Melodie bedeutet für mich Liebe und erinnert mich an die Heimat am Schwarzen Meer. Das Besondere an dieser Melodie ist ihr schöner, leicht-schwingender Rhythmus.“  Am Schluß dieses Stückes geht die Melodie fließend über in eine kurdische Lieblingsmelodie von Mustafa, genannt Halla Yar. „Diese kurdische Melodie hörte ich immer im Autoradio, als mich mein Vater zur Schule fuhr und damals wußte ich schon: Irgendwann werde ich diese Musik selber spielen. Denn: Musik ist für mich mehr als ein Hobby, es ist eine besondere Sprache, die meinen Chatakter, meine Emotionen und Erinnerungen am besten ausdrücken kann.“ So Mustafa zu seiner Seelenheimat Musik.

Das Stück „Kumsalda Dans“ (türkisch: „Tanz am Strand“) spielen die drei Magdeburger als Cover des Taksim-Trios aus Istanbul. Das erst 2017 gegründete Taksim Trio setzt sich aus drei der bekanntesten türkischen Instrumentalisten zusammen: Hüsnü Şenlendirici an Klarinette und Duduk, İsmail Tunçbilek an der Bağlama und Aytaç Doğan an der Kanun. Die drei Virtuosen und Superstars aus Istanbul waren erst letztes Jahr an der Dresdener Philharmonie zu Gast. Bei einer nächsten Tournee des Taksim Trios wollen die Drei Felsen aus Magdeburg live dabei sein, das haben sie sich felsenfest vorgenommen.

Artikel zu krimtatarischer und kurdischer Musik finden sich in unserer Rubrik „Veröffentlichungen“.

Diese Podcast-Asgabe wurde inspiriert und vorbereitet von Dr. Mieste Hotopp-Riecke (Leiter des ICATAT) und Ammar Awaniy (Interkultur-Referent des ICATAT).

Foto: Wenzel Oschington