Liebes Publikum, liebe Freunde und Partner des Instituts für Caucasica-, Tatarica- und Turkestan-Studien,

die neue Staffel unseres Musik-Podcasts beginnt mit einer Szene aus der Oper „Taras Bulba“ (1890) des ukrainischen Komponisten Mykola Lyssenko (1842–1912). Die Oper, komponiert nach einer Erzählung von Nikolai Gogol, spielt im 17. Jahrhundert in der Ukraine; an den kriegerischen Auseinandersetzungen nehmen die Ukrainer, die Polen und die Tataren teil. Risse gehen durch Städte, Völker und Familien…

Zu den Protagonisten der Oper gehört eine Tatarin, die am Hofe des polnischen Gouverneurs in der Stadt Dubno als Dienerin von dessen Tochter Maryltsya lebt. Als Maryltsya während der Belagerung der Stadt Hunger leidet, flieht die Tatarin zu Andriy, dem heimlichen ukrainischen Geliebten von Maryltsya und bittet ihn um Hilfe. „Bereits den dritten Tag hat sie nichts in den Mund bekommen. Wir haben kein Brot mehr… Überall wütet der Tod. Wie eine prächtige Blume im morgenlichen Frost stirbt, so senkt deine Pani ihren Kopf vom grausamen Kummer…“, singt die Tatarin.

Andriy rettet seine Geliebte, wird aber bald darauf vom eigenen Vater getötet, denn sie kämpfen auf verschiedenen Seiten…

„Taras Bulba“ von Lyssenko gefiel u. a. Peter Tschaikowsky, der sich für die Aufführung der Oper in Sankt Petersburg einsetzen wollte. Lyssenko forderte jedoch die Aufführung in ukrainischer Sprache; dies verhinderte die Premiere von „Taras Bulba“ zu Lebzeiten des Komponisten – sie fand erst 1924 in Charkiw statt.

Zu sowjetischer Zeit wurde die Oper mehrfach von verschiedenen Komponisten umgearbeitet. Manche fremde Musikstücke wurden hinzugefügt, einige Nummern dagegen gekürzt, darunter auch die Erzählung der Tatarin: aus ihrer eigenständigen Arie wurde ein kurzes Arioso. Die Originalfassung der Arie erschien jedoch in einem Sammelband mit Klavierbegleitung (s. Noten) und ist gelegentlich in Konzerten zu hören. In unserem Videobeispiel wird die gekürzte Version der Arie wiedergegeben. Die Tatarin wird von Svitlana Kisla (Mezzosopran) gesungen, Andriy von Stepan Fitsich (Tenor). Es handelt sich um ein Fragment der Gesamtaufnahme aus dem Nationalen Taras-Schewtschenko-Opernhaus Kiew (2001):

„Taras Bulba“ von Mykola Lyssenko gehört zum klassischen Erbe der ukrainischen Musik. Im Benefizkonzert Ukraine wird dagegen moderne ukrainische Musik zu Gehör gebracht. Das Konzert findet am So., 8. Mai 2022, um 16 Uhr in der Berliner Auenkirche statt (Wilhelmsaue 119, 10715 Berlin); Eintritt auf Spendenbasis. Die Spenden dienen der Unterstützung geflüchteter Musiker/innen und begabter geflüchteter Kinder aus der Ukraine. Nähere Informationen zum Konzert finden sich unter https://auenkirche.de/event/12547445 . Der Initiator des Konzertes ist der ukrainisch-deutsche Violinist und Komponist Vladi Corda, der mehrere Jahre die Berliner Residenzkonzerte geleitet hat. Hier ist er mit der Melodie des ukrainischen Komponisten Myroslaw Skoryk (1938–2020) zu hören: